CHAPTER EXCERPT
Kailighs jüngste Tochter war erst siebzehn. Cinvarras dunkle Locken lagen schlaff und glanzlos auf dem feuchten Kissen, ihr Gesicht totenbleich, die sonst goldbraune Haut von einem grauen Schimmer überzogen, die Lippen eingefallen trotz aller Versuche, ihr Flüssigkeit zuzuführen. Eine Fleischwunde, die problemlos hätte verheilen sollen, brachte sie um.
Wieder einmal fragte sich Kailigh, ob sie richtig gehandelt hatte, all die Jahre allein geblieben zu sein. Wäre ein Mann im Haus gewesen, hätte er bei den Mädchen bleiben können, während Kai Flinte und Klingen packte, um das Ungeziefer zu jagen, das Cin angeschossen hatte, als es versucht hatte, sie zu entführen.
Verdammter Ruthus Adjrius. Diesmal war er zu weit gegangen.
Kailigh starrte Doc an, der sich aus seiner Hocke am Bett des Mädchens erhob und den Kopf schüttelte.
Er nahm die Vergrößerungsbrille ab, die er zusammen mit einer Pinzette benutzt hatte, um die Kugel aus der Wunde zu holen. Immerhin war es herkömmliche Munition gewesen und kein Vaporisierer, ein tödliches Gewehr, das Ströme glühend heißen Dampfes verschoss. Schützen trugen spezielle isolierte Lederhandschuhe, um sich vor den überhitzten Griffen zu schützen—wer ein voll aufgeladenes Gewehr mit bloßen Händen anfasste, verlor die Haut bis auf den Knochen.
Sie lockerte den Kiefer, kurz davor, dem Mann die Meinung zu sagen. Sie hatte ihn bezahlt, damit er ihre Tochter heilte—mit frischem Gemüse und einem Sack Kohle, den er gegen harte Währung eintauschen konnte.
„Ich kann ihr nicht helfen“, sagte er.
Kailigh kribbelte es in den Fingern, ihm eine zu verpassen. Ihre älteste Tochter, die Stille, regte sich als Reaktion auf die aufwallende Wut ihrer Mutter.
Kailigh warf Serephone einen Blick zu, der jede Gewalt unterband, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Doc. „Ich habe dich bezahlt, um ihr zu helfen. Warum kannst du ihr nicht helfen?“
„Hör zu, Kai, wir sind hier in den Außenlanden. Wäre das vor zweihundert Jahren, hätten wir ein schönes steriles Büro mit hübscher Tapete, und ich könnte ihr Antibiotika geben und Feierabend machen—aber wir haben die Medikamente für so etwas nicht mehr. Ihr Blut ist vergiftet, und das greift ihr Herz an. Wenn du eine Genehmigung bekämst, sie in eine Kuppelstadt zu bringen …“